PD Dr. Susanne Guski-Leinwand, Prof. a. D.

Moderation

Susanne Guski-Leinwand, PD Dr. phil. habil., Prof. a. D., Dipl. -Psych . Seit 2014 Vertretungs-Professorin für Psychologie an der Fachhochschule Dortmund und Privatdozentin für Psychologie und Geschichte der Psychologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Zuvor Professorin für Psychologie an der Hochschule für Gesundheit in Bochum (2012-2013) und langjährige Lehrbeauftragte für Geschichte und Ethik der Psychologie an der Ruprecht-Karls- Universität in Heidelberg (2000-2012). Forschungsschwerpunkte: Psychologiegeschichte im 20. Jahrhundert, psychologische Ethik, Militär- und Völkerpsychologie, wissenschaftlicher Antisemitismus. Aktuell Projektleiterin im BMBF-Forschungsprojekt im Rahmen der DDR-Forschung: "Seelenarbeit im Sozialismus (SiSaP) - Psychologie unter politischem Diktat und Justiz" (2019-2022). Mitglied im BDP und der DGPs, Mitglied in der Nationalen Anerkennungs-Kommission EuroPsy.

Tag der Psychologie 2019 „Diversität und psychologische Praxis“ an der PHB in Berlin

Grußwort

Sehr geehrte, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Interessierte, die Orientierung auf bzw. an Diversität/Diversity ist inzwischen zu einer selbstverständlichen Forderung und Selbstverständnis für professionell Tätige in allen Berufsbereichen geworden. Diversity-Kompetenz ist eine wichtige Voraussetzung für Diversity-Management. Der Tag der Psychologie 2019 mit seinem Fokus auf „Diversität und psychologische Praxis“ setzt bei der Kompetenzerweiterung an und stellt erfolgreiche Beispiele gelungenen Diversity-Managements aus unterschiedlichen Praxisfeldern der Psychologie vor.

Als Kompetenzbegriff etabliert Diversity-Orientierung die menschenrechtliche Forderung auf ein freies Leben von Menschen in vielfältigen Lebenssituationen bzw. mit vielfältigen Ausgangspositionen. Diversity-Kompetenz unterstützt bzw. fördert ein gleichberechtigtes Miteinander und Möglichkeiten zur Ausgestaltung von „(Nicht-)Behinderung, Religion und Weltanschauung, ethnischer Herkunft, sexuelle Orientierung und Identität, Geschlecht und Alter sowie sozialer Status“ gemäß der Grundlagen des Instituts für Menschenrechte (2013), das als die unabhängige Nationale Menschenrechtsinstitution Deutschlands für dieses Thema anerkannt ist. Nach ihm misst sich Diversity-Kompetenz „vielmehr daran, wie mit der vielfältigen Gesellschaft umgegangen wird. Dieser Umgang muss frei sein von Vorurteilen und geprägt von der Anerkennung der individuellen Person.“ (Jäger, K. & Institut für Menschenrechte, 2013). Hierin lassen sich für die Psychologie mindestens die Grundüberzeugungen der Humanistischen Psychologie erkennen und aus diesem Fokus heraus bereits professionell an Diversity anschließen. Vielmehr noch betreffen diese Aspekte die Berufsethischen Richtlinien für Psychologinnen und Psychologen (BDP/DGPs, 2016): Sie geben hier eine inhaltlich entsprechende sowie verbindliche und verbindende Forderung, ohne dass der Begriff Diversity explizit formuliert ist: „Psychologinnen und Psychologen:(1)achten die Würde des Menschen und respektieren diese in ihrem Handeln; (2) erkennen das Recht des Einzelnen an, in eigener Verantwortung und nach eigenen Überzeugungen zu leben; (3) handeln mit besonderer Verantwortung gegenüber den Menschen, mit denen sie umgehen; (4) gehen sensibel mit der Bereitschaft von Menschen um, sich anzuvertrauen, und klären über mögliche Grenzen der Vertraulichkeit auf; (5) fördern Möglichkeiten der selbstbestimmten Persönlichkeitsentwicklung und tragen zur Gewährleistung fördernder Rahmenbedingungen bei; (6) fördern die Verständigung im sozialen Zusammenleben und den gegenseitigen Respekt; (7) handeln im Sinne des Wohls und Wohlbefindens der Menschen; (8) setzen sich ein für gute natürliche, sozioökonomische und kulturelle Lebensbedingungen von Einzelnen und Gemeinschaften; (9) fördern ein redliches Miteinander und gehen in ihrem Handeln mit gutem Beispiel voran; (…) (11) bewirken durch Reflexion und durch einen offenen Austausch über Einstellungen, Orientierungen und Menschenbilder Veränderungen bei Einzelnen, Institutionen und in der Gesellschaft; (…)“. All diesen Richtsätze enthalten synonym für Psychologinnen und Psychologen eine professionelle Diversity-Orientierung und Diversity-Kompetenz. Diese gemäß der Berufsethischen Richtlinien zu reflektieren und zu vertiefen, dazu will der Tag der Psychologie 2019 mit Unterstützung von Kolleg*innen aus verschiedenen Fachfeldern beitragen: Herr Professor Dierk Borstel, Politikwissenschaftler an der FH Dortmund und renommierter Experte in der Extremisforschung wird über De-Radikalisierung sprechen und psychologische Aspekte benennen. Frau Dipl.-Psych. Eva van Keuk wird als Präsidiumsbeauftragte für Menschenrechtsfragen des BDP über diese Aufgabe informieren und in einem Workshop über Möglichkeiten der Umsetzung von Diversity-Orientierung in psychotherapeutischer Praxis berichten. Frau Professorin Linda Juang von der Universität Potsdam wird über schulpsychologische Aspekte von Diversity-Orientierung und –Kompetenz einen Workshop halten, für die Wirtschaftspsychologie wird Herr Dipl.-Psych. Ulrich Schübel Ansätze erfolgreichen Diversity-Managements in seinem Workshop vorstellen. Er unterzeichnete für den BDP die Charta der Vielfalt mit.  

Sie sind herzlich eingeladen, mit Ihren Erfahrungen und Fragen unser professionelles Selbstverständnis auf dem diesjährigen Tag der Psychologie zu diskutieren und zu erweitern! Wir freuen uns über alle Aspekte, die wir gemeinsam in diesem Zusammenhang reflektieren werden. Auf den Austausch mit Ihnen freue ich mich – auch im Namen aller Mitwirkenden – und hoffe, Sie in Berlin am 20. September 2019 zahlreich begrüßen zu dürfen,  

Susanne Guski-Leinwand, Prof. a. D. PD Dr. phil. habil., Dipl.-Psych., EuroPsy.  

Quellen:
BDP/DGPs (2016). Berufsethische Richtlinien. Berufsethische Richtlinien des BDP und der DGPs (zugleich Berufsordnung des BDP). Online-Ressource: https://www.bdp-verband.de/binaries/content/assets/beruf/ber-foederation-2016.pdf   Jäger, K. & Institut für Menschenrechte (2013). Diversity-Kompetenz – Eine Schlüsselqualifikation für Rechtsreferendare und Rechtsreferendarinnen. Online-Ressource: https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/uploads/tx_commerce/Diversity_Kompetenz_Eine_Schluesselqualifikation_f_Rechtsreferendarinnen_und_Rechtsreferendare.pdf